Dzama Rhum (von 2011)

Dzama Rhum (von 2011)

Mai 1, 2019 Rhum Ron Rum 0

In Miami beim Rum Festival 2011 habe ich zum ersten Mal einige Rhum von Dzama probieren können. Und ich war sehr positiv überrascht, was diese aromatischen Rum von Madagaskar bieten! Sogar deren Vanilla flavoured Rum sind absolute Extraklasse.

Die Vanille- und anderen Aromen in den Rhum stammen nicht von einer speziellen Behandlung vor, während oder nach dem Destillationsprozess.
Da ringsherum Vanille, Ylang-Ylang, Pfeffer und Levkojen wachsen, blühen und gedeihen binden sich deren Aromen auch im Boden und werden so von den Zuckerrohrpflanzen aufgenommen.

Die Alkoholproduktion unterliegt ausschließlich staatlicher Aufsicht. So werden für die Rhum von Dzama aus drei der staatlichen Brennereien, – Dzamandzar (auf Nosy Be, davon wurde der Name Dzama abgeleitet), Bricaville, Ambilobé – das Rohdestillat aufgekauft und in den eigenen „Räumlichkeiten“ bei Compagnie Vidzar nahe der Destillerie Dzamandzar verblendet und gereift.

Die Companie Vidzar wurde 1982 von Lucien Fohine gegründet und wird jetzt von seinem Sohn Franck Fohine weitergeführt.

Das recht moderne Fassmanagement von Vidzar begründet sich darin, dass Lucien Fohine der Importeur für Seagrams (Chivas Regal Blended Whisky, Strathisla der Hauptmalt von Chivas) auf Mauritius und später für das Gesamte Gebiet Indischer Ozean war und dadurch das Wissen und die Möglichkeit hatte, im größeren Stil auf gebrauchte Whiskyfässer zurückgreifen zu können. Franck Fohine, sein Sohn, studierte Oenologie in Frankreich und brachte von dort auch den Gedanken mit, andere Fasstypen zu verwenden. Seit 1995 leitet er das Unternehmen.

Seit 1985 werden die Rhum in Eichenfässern gereift, Franck erweiterte das Sortiment auf frische Fässer aus Limousineiche. Dieses Jahr wurde der erste Jahrgangsrhum 15y abgefüllt. Lediglich 10.000 Flaschen sind auf dem Markt. (Davon konnte ich leider nichts probieren.) Es sind in den kommenden Jahren weitere Vintages geplant.

Die Vanille Rhum sind ebenfalls gereifte Rhum – 1, 3 und 10 Jahre alte Rhum – und werden mit einer Vanilleschote befüllt. Je länger die Vanille im Rhum verbleibt, um so intensiver wird deren Geschmack an den Rhum abgegeben.

Fragt Euren Fachhändler nach diesen köstlichen Rhum, importiert und vertrieben wird er hier in Deutschland von Haromex.

Aber wie von mir gewohnt, gibt es keine Infos über Spirituosen-Entdeckungen ohne weitere Hintergründe.

Die Rhum kommt von der grössten Insel Madagaskars, von Nosy Be. Nosy Be bedutet in der Landessprache Malagasy „Große Insel“. Sie liegt im Nordwesten der Hauptinsel. Der kleine Ort Dzamandzar beheimatet auch die Zuckerraffinerie und die Brennerei von der diese köstlichen Rhum stammen. Die Insel ist zudem die touristisch am Besten entwickelte Region Madagaskars.

Nosy Be ist vulkanischen Ursprungs, die 11 Kraterseen von Krokodilen bewohnt, belegen dies eindrücklich. Wenn man sich die Insel auf Google Earth ansieht, bemerkt man ebenfalls die vielen Vulkankegel, der Höchste ist 450m hoch. Ein eigenes Mikroklima, fast das ganze Jahr Sonne, eine endemische Tier- und Pflanzenwelt sowie traumhafte Strände machen nicht nur Nosy Be, sondern den gesamten Inselstaat zu einem begehrten Reiseziel.

Zuckerrohr und die damit zusammenhängende Industrie machen 15 – 20% der gesamten Agrarproduktion Madagaskars aus. Reis – das Hauptnahrungsmittel auf Madagaskar, Vanille, Ylang-Ylang und Gewürze wie Pfeffer sind die weitaus bekannteren Agrarprodukte. Mittlerweile werden grosse Flächen zur Produktion von Mais und Palmöl genutzt um Treibstoffe herstellen zu können.

Was man aber bei aller Schönheit dieser Tropenlandschaft und der Menschen nicht aus dem Blick lassen soll: die Armut dort ist überall seh- und greifbar. Hohe Arbeitslosigkeit, Prostitution und Kriminalität sind nur ein paar hervorstechende Anzeichen für ein marodes politisches System. Ebenfalls erschreckend ist, dass die Pest! in Madagaskar grassiert. Alleine dieses Jahr sollen bereits 60 Menschen an dieser durch Rattenflöhe übertragene Infektion gestorben sein. Während der Regenzeit flüchten die befallenen Ratten in die Siedlungsgebiete.

 

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